In der digitalisierten Gesellschaft der Zukunft spielen Liebe, Moral und Menschlichkeit nur noch untergeordnete Rollen. Alles ist auf Leistung, Anpassung und Effizienz ausgerichtet. Frei nach dem gleichnamigen Roman von Ödön von Horváth erzählt Regisseur Alain Gsponer (HEIDI, LILA, LILA) in JUGEND OHNE GOTT die Geschichte einer Gruppe von Schülern, die als Hoffnungsträger der Leistungsgesellschaft an ihre Grenzen stoßen. Jannis Niewöhner brilliert in der Verfilmung des Jugendbuchklassikers in der Rolle als Zach, für die er in diesem Jahr mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet wurde. Fahri Yardim, Emilia Schüle, Alicia von Rittberg, Jannik Schümann und Anna Maria Mühe runden die hochkarätige Besetzung ab.

VERGANGENHEIT UND ZUKUNFT: DIE GESCHICHTE

1937 – und somit vor genau 80 Jahren – veröffentlichte der österreichisch-ungarische Schriftsteller Ödön von Horváth mit „Jugend ohne Gott“ seinen dritten Roman, in dem er eine der beunruhigendsten gesellschaftlichen Entwicklungen seiner Zeit verarbeitete. Zur Zeit des Faschismus in Deutschland wird ein christlich-humanistischer Lehrer während eines Zeltlagers mit der zunehmend nationalsozialistischen Attitüde seiner Schüler konfrontiert, was schließlich in einem tragischen Tod endet. Bereits ein Jahr nach Erscheinen wurde das Buch in acht weitere Sprachen übersetzt, in Deutschland hingegen wurde es von den Nationalsozialisten auf der Liste des sogenannten „schädlichen und unerwünschten Schrifttums“ gesetzt – ein klarer Beweis für die damalige Brisanz des Stoffes. 

Um ihrer Verfilmung eine ähnliche Bedeutsamkeit zu verleihen, entschieden die Verantwortlichen sich dafür, die Romanvorlage in eine nahe Zukunft zu legen.

DAS SPÄTERE JETZT: DIE GESTALTUNG 

Selbst wenn JUGEND OHNE GOTT nicht als Science-Fiction-Film angelegt ist, so bildet er dennoch eine Zeit ab, die in der (nahen) Zukunft liegt. Das musste sich natürlich im Look widerspiegeln. Dabei ging es jedoch – auch in Hinblick auf die inhaltliche Aussage – vor allem um eine realistische Darstellung, die sich nicht zu sehr abhebt von dem, was wir aus unserem Alltag in der Gegenwart bereits kennen, wie Produzentin Sophia Aldenhoven erläutert: „Das Ziel war immer, den Film soweit futuristisch zu gestalten, dass er sich abhebt vom Jetzt, ohne dabei aber zu weit zu gehen, zum Beispiel in Form fliegender Autos oder Teleportation. Das ergibt eine durchaus spannende Mischung – die Zukunft darzustellen ohne zu fantastisch zu werden.“

 „Die Zuschauer sollen nicht von irgendeiner Technologie abgelenkt werden“, ergänzt Alain Gsponer. „Uns war es wichtiger, eine dystopische Lebenswelt aufzuzeigen und deutlich zu machen, dass es nicht ganz so ist wie bei uns, sondern ein bisschen anders. Und dass es trotzdem nicht so weit entfernt ist. Es mag eine andere Welt sein, aber sie ist sehr dicht dran an unserer.“

Inhalt:

Zach (Jannis Niewöhner) macht sich widerwillig auf in das Hochleistungs-Camp der Abschlussklasse. Im Gegensatz zu seinen Kommilitonen hat er kein Interesse daran, auf die renommierte Rowald Universität zu kommen. Obwohl sie ihn nicht versteht, ist die ehrgeizige Nadesh (Alicia von Rittberg) von dem Einzelgänger fasziniert und versucht, ihm näherzukommen. Zach wiederum interessiert sich mehr für das geheimnisvolle Mädchen Ewa (Emilia Schüle), das im Wald lebt und sich mit Diebstählen über Wasser hält. Als Zachs Tagebuch verschwindet und ein Mord geschieht, scheint der fragile Zusammenhalt der jugendlichen Elite an sich selbst zu zerbrechen. Nur der vermeintlich moralisch integre Lehrer (Fahri Yardim) versucht zu helfen, aber dafür ist es schon zu spät...


„Jugend ohne Gott“ ist eine spannende Kriminalgeschichte, die am Beispiel eines Lehrer-Schüler-Konflikts den Menschen im faschistischen Staat schildert – und die brisante Mischung aus Minderwertigkeitsgefühlen und sadistischen Machtgelüsten.   


Darsteller: Jannis Niewöhner, Fahri Yardim, Emilia Schüle, Alicia von Rittberg, Jannik Schümann, Anna Maria Mühe, Rainer Bock, Katharina Müller Elmau, als Gast Iris Berben, u.v.m.

Drehbuch: Alexander Buresch, Matthias Pacht

Regie: Alain Gsponer

Kinostart: 31. August 2017